Theater.

Manchmal fühle ich mich, als stünde ich auf einer riesigen Bühne. Aber nicht als ich selbst, sondern in der Rolle, die mir jeder einzelne Zuschauer individuell zuteilt.

Ich werde in eine Rolle gezwängt, die ich überhaupt nicht haben möchte und werde beurteilt, wie gut ich diese spiele. Ich finde mich in einer Realität wieder, die nicht meine eigene, sondern die, eines „Fremden“ ist. So bin ich mal eine Diebin, die jemandem das Liebste nehmen will. Die Konkurrentin, die ausgestochen werden muss. Die Egoistin, die nur auf ihren eigenen Profit bedacht ist.
Undankbare und unliebsame Figuren. Figuren, die niemand verkörpern will, doch ••• wie kommen wir zu dieser Ehre? Durch die Gefühle der Anderen. Durch subjektive Wahrnehmungen geschürt von Ängsten, hervorgerufen durch einen Wust an Interpretationen.
Die Angst einer Person ihre Individualität zu verlieren, zwängte mich in die Rolle der Diebin und Egoistin. Und je mehr ich versuchte herauszubrechen, desto enger schnürte sie mein Kostüm. Ich durfte nicht ausbrechen. Ich war in meiner verhassten Rolle Teil ihrer Realität. Teil ihres Ensembles.

Wir werde Tag täglich in neue Rollen gesteckt, ohne dies zu merken. Wir sind, wie andere uns haben wollen, ohne so zu sein. Wir werden uns selbst entrissen, nur um in die soziale Welt zu passen; um Teil eines riesigen Ensembles zu sein. Wir fügen uns, merklich oder nicht, um dazu zu gehören.

Ich möchte nicht mehr dazu gehören. Zu einem Ensemble, dass mich nicht so sieht wie ich bin. Einem Umfeld, dass mich verstellt, damit ich dazu gehöre, in ihr Leben passe.
Ich lasse mich von meinen Rollen nicht mehr beeinflussen. Wenn ich so, wie ich bin, nicht in das Leben eines anderen passe, dann gehöre ich dort auch nicht hinein. Ich habe meinen Job im Theater der Welt gekündigt. Vielen werde ich ich in meinen Rollen in Erinnerung bleiben. Viele werden mich nie als ich selbst akzeptieren (können). Doch das ist mir egal. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung und ich habe Menschen gefunden, die mich mit offenen Armen empfangen haben. Interesse zeigen an meiner Person und mich in ihr Leben lassen, ohne, dass ich mich in eine Rolle zu zwängen habe.

Ich blicke zurück und verneige mich – zum Abschied.

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4 thoughts on “Theater.

  1. Liebe Gluebirne,

    Ich verstehe ganz gut, wie du dich fühlst. Ziemlich lange habe ich mich auch daran gestört, dass jeder und alles eine Maske aufzusetzen scheint, um im „Theater der Welt“ zu bestehen.
    Interessant finde ich da nur deine Schlußfolgerung – also, dass du daraus aussteigen willst.
    Ich habe mir nämlich stattdessen immer gewünscht, ich würde in einem Musical leben: Dass jeder seine Gefühle und Ansichten einfach singt, wenn ihn etwas beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst leidenschaftlich gerne singe. Dennoch ziemlich verrückt, oder?

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    1. Hallo liebe Nia,
      ich finde deine Ansicht meinerseits sehr interessant und schön. Das Theater in etwas verwandeln, dass du liebst. Die Idee des Musicals finde ich super – das Leben in seinen leisen und lauten Tönen.
      Ich wünsche mir auch sehr, dass die Menschen wieder offener werden und ihre Gefühle und Ansichten äußern; und im Gegenzug natürlich die der anderen respektieren/akzeptieren.
      Ich denke es liegt an meiner aktuellen Verfassung, dass ich komplett aus dem Theater aussteige. Doch wer weiß, welche Tür sich mir dadurch öffnen wird. 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Franzi,
        Das freut mich zu hören – also, dass meine Wunschvorstellung dir nicht allzu abstrus und abgedreht vorkommt. Allerdings kann ich auch dich sehr gut verstehen. Ich denke, dass es das Sprichwort „Ich glaub, ich bin im falschen Film“ nicht umsonst gibt. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute und werde deinen Blog auch weiterhin verfolgen – ich bin nämlich sehr neugierig, wie es für dich weitergeht 🙂
        Alles Liebe,
        Nia

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