Achterbahn

Ich sitze auf meinem Sofa. Meine Laune ist am Boden. Mir ist seit Stunden zum heulen zu Mute, doch ich konnte nicht. Schließlich bin ich nicht allein zu Hause – und Zeit für Gefühle bleibt mir sowiso nicht. Ich muss lernen, den Haushalt schmeißen und es ganz nebenbei irgendwie noch schaffen zu überleben.

Und ich rede nicht davon, dass ich kein Leben habe und dringend Freizeit brauche (was durchaus auch zutrifft). Ich bin seit Wochen so gestresst, dass ich kaum in der Lage bin, etwas zu essen. Und wenn ich dann doch mal dazu komme, dann wird mir schlecht. Wundervoll. Ich. Weiblich. 19. Singel. Und mein Leben scheint vorbei, bevor es überhaupt begonnen hat. Was mich so Stresst? Ironischerweise mein Leben. Ich stecke mitten im Abistress, versuche mich gleichzeitig darauf zu konzentrieren, endlich einmal das zu tun, worauf ich Lust habe und sitze währenddessen in einem schwarz-grauen-Gefühlsloch, starre nach oben und analysiere, wie ich wohl am bequemsten und einfachsten wieder nach oben komme.

image

Da gibt es nur ein Problem: Das Leben ist oft weder einfach, noch bequem.

Ich vergleich das Leben gerne mit einer Achterbahnfahrt – in vielerlei Hinsicht. Gefühle, Karriere, Gesundheit . . .

Diese Woche war mit Abstand eine der anstrengendsten Achterbahnfahrten, die ich je erlebt habe. Ich hab ja schon oft Wochen gehabt, wo ich einfach jeden Tag komplett fertig war. (Natürlich auch das Gegenteil, aber das ist schon eeetwas länger her).
Lassen wir die Woche einmal am Sonntag beginnen. Lange geschlafen habe ich nicht. Ich stehe vor dem Spiegel, seufze und tappse ins Bad. Duschen, anziehen, die Augenringe (erfolglos) wegschminken und auf zu meiner Verwandschaft – Osterbrunch. Angekommen stehe ich orientierungslos Mitten im Raum, mache 3 Schritte zurück und beobachte das Treiben aus sicherer Entfernung. Nach einer gefühlten Stunde ergreife ich die Initiative und setze mich an den gedeckten Tisch – ich hatte hunger. Siehe da, der Rest gesellt sich dazu und jeder läuft mit Teller richtung Buffet. Wer jetzt denkt, dass jetzt ein gemütlicher Familienbrunch folgt, der täuscht sich. Angeregte Diskussionen über Arbeit, Studium und Urlaub. Ich beschäftige mich mit einem Osterei. Autos, Wohnung, Geld und die neuesten Schlagzeilen. Ich versuche immernoch krampfhaft mein Osterei zu pellen. Mit den ganzen Diskussionen kann ich nichts anfangen. Ich fühle mich unglaublich unwohl und weis beim besten Willen nicht, was um alles in der Welt ich hier soll. Als Nesthäkchen hat man einfach nichts Interessates zuzusteuern. Irgendwann entscheiden meine Eltern endlich den Heimweg anzutreten. Zu Hause angekommen lasse ich mich völlig erschöpft und kraftlos aufs Sofa fallen. Was ein bescheidener Tag. Müde, genervt und mit den Nerven am Ende bestreite ich den Rest des Tages und weine mich am Ende in den Schlaf – was zu viel ist, ist zu viel.

Montag, wieder kaum geschlafen, aber die Laune ist ganz gut. Bis ich mich auf den Weg zur Schule mache. Ja ich musste Ostermontag zur Schule, traurig aber wahr. 3h Spanischzusatzkurs für das Abitur – man gönnt sich ja sonst nichts. Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen, aber die schlechte Laune anderer ist auf dauer wirklich anstrengend. Naja, einfach ignorieren und am besten nichts sagen. Auch an diesem Tag bin ich froh, wieder zu Hause zu sein. Kurz ins Wohnzimmer, ein Stück Kuchen geschnappt, in die Küche gelaufen und das Mittagessen nachholen, schließlich ist es mitlerweile schon halb 5. Die letzten Tage haben mir nur bestätigt, dass ich mich von gewissen Leuten wirklich Distanzieren muss. Am Ende des Tages ist meine gute Laune dann auch endgültig weg. Hat den ganzen Tag ja sowiso keinen interessiert. Warum auch – außer zum schlechte Laune teilen und rumkutschiert werden brauchte mich ja an diesem Tag auch keiner. Licht aus, Decke über den Kopf und den Tag beenden.
image

Neuer Tag, neues Glück. So wie die letzten Tage und auch den Rest der Woche habe ich bescheiden geschlafen. Aber nach dem Aufstehen fühle ich mich gut. Ich stehe mit einem Lächeln vor dem Kleiderschrank und mache mir zum Frühstück erstmal Porridge. Es ist ein guter Tag – auf den eine bescheidene Nacht und ein noch beischeidenerer Tag folgt. Beides habe ich mitlerweile so gut wie verdrängt und denke garnicht erst drüber nach.

Die Wut und Enttäuschung der letzten Tages führte mich zu der Entscheidung, mein Leben endgültig umzukrempeln – wohlwissend,  dass diese Veränderungen durchaus schmerzhaft werden können und einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Ich habe eine Entscheidung getroffen und ich lerne damit zu leben. Meine Fahrt mit der Achterbahn meines Lebens beruhigte sich wieder etwas. Ich habe mich aufgerappelt um um meine Mutter gekümmert. Ich wsr zwar selbst sehr KO und hatte allerhand zu tun, aber mir war es wichtig, ihr einen Gefallen zu tun und sie glücklich zu machen. Also habe ich mich ins Auto gesetzt und sie in das Modegeschäft ihrer Wahl gefahren. Sie selbst durfte an diesem Tag nicht fahren und hatte etwas bedrückt den Wunsch geäußert – da sage ich natürlich nicht nein, Abi hin oder her.
image

Zwar gab es bis heute noch einige leichte Höhen und Tiefen, aber die waren eher dem Abistress, als irgendetwas anderem geschuldet. Ich habe ein Ziel. Ich werde jedem der je an mir gezweifelt hat und immernoch zweifelt zeigen, dass er sich tierisch getäuscht hat. Ich denke dabei an ganz bestimmte Personen, allen voran mich selbst.

image

Es ist Sonntagnacht und ich habe ein Lächeln auf den Lippen. Ich sage nurnoch eins: Ich kann und ich werde – ihr werdet es sehen!

Liebe Grüße
eure Franzi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s