1%

1% der Weltbevölkerung ist reicher als die restlichen 99%.

Ich schalte meinen Wecker aus, drehe mich um, drehe mich wieder zurück und stehe widerwillig auf.

Ich gehe ins Bad, dusche und gehe zurück in mein Zimmer um mich fertig zu machen. Ich stehe vor dem Kleiderschrank, schaue noch einmal was die Wettervorhersage angibt und starre wieder in meinen Schrank. Ich kann mich nicht entscheiden. Langsam muss ich mich beeilen. Ich greife mir ein Outfit, suche unter meinen Schuhen ein Paar aus und greife meine Tasche. Handy und Kopfhörer in die Jackentasche und auf gehts‘.

Draußen ist es kalt. Ich gehe müde und etwas demotiviert zum Bus. Ich steige ein, setze mich und stöpsel mir die Kopfhörer in die Ohren.

Musik an, Welt aus.

Der Bus fährt seine Strecke ab, hält immer wieder an, um Menschen ein und aussteigen zu lassen und ich starre genervt aus dem Fenster. Ich sehe die Häuser und Menschen auf der Straße. Sehe wie sie grummelig dreinschauen. Mir scheint sie denken ähnlich wie ich „Morgens. Kalt. Arbeit.“.

Ich sehe die jüngeren Schüler im Bus. Höre, wie sie sich über die neusten Smartphones und NikeAir unterhalten. „Die muss ich haben! Die kosten nur 150€!“, höre ich einen Jungen sagen. Die Tatsache, dass die Schuhe an seinen Füßen aussehen wie neu, lässt mich den Kopf schütteln – und ich schaue wieder aus dem Fenster.

Ich habe meine Endhaltestelle erreicht und steige aus. Es hat angefangen zu regnen und ich bin wieder einmal ein wenig genervt. Kalt. Nass. Morgens.

Als ich meine  Schule erreiche sehe ich die vielen kleinen Gruppen zusammenstehen. Ein kleiner Lichtblick – noch ein paar Treppen und ich sehe meine Freunde. Kurze Begrüßung. Blick aufs Handy. Beschwerde über den bevorstehenden Tag.

Wir haben Englisch. „62 Menschen sind reicher als 3.6Milliarden.“. Ich starre an die Tafel und beginne nachzudenken.

Was ist in unserer Gesellschaft schief gelaufen? Natürlich muss nicht jeder gleich sein – das wäre ja schrecklich. Es muss auch nicht jeder gleich viel verdienen. Aber was geht in den Köpfen von diesen Menschen vor? Ein Jahreseinkommen von unvorstellbarer Höhe. Mehr Geld als je ein Mensch gebrauchen kann. Und 3m neben der Villa stirbt ein Mensch an Hunger.

Musik an, Welt aus?

Ich habe mich schon immer gefragt, wie es sein kann, dass so viele Leute im Überfluss leben, während andere Menschen um einen Tropfen Wasser froh sind. USA, Deutschland – „Huch die Gurke ist ja krumm, ab damit in die Mülltonne, die kauft ja keiner!“ , „Wie die Jumbo Becher werden abgeschafft?! Gehts noch?!“ „Und warum gibt es hier nicht diesen Käse? 30 verschiedene Sorten, nur der, den ich haben will, ist wieder nicht dabei!“

Wenn ich an die Aussage des Jungen im Bus denke, frage ich mich, ob er sich als reich empfindet. Vermutlich nicht.

Reichtum mag von Jedem anders interpretiert werden, doch den Kontostand und Besitz der 62 „reichsten“ Menschen der Welt sehe ich eher als Verbrechen an der Menschheit. Es mag ja sein, dass diese Leute an Organisationen spenden. Es mag auch sein, dass sie horrende Summen spenden – horrende aus unserer Sicht. Doch was sind 1Millionen für einen Multimilliardär?

Ich sage nicht, dass ich nicht auch davon träume finanziell unabhängig zu sein. Das würde Vieles erleichtern. Doch sollten  wir nicht erst einmal anfangen, mit unserem bereits vorhandenen Reichtum glücklich zu sein?

Ich schalte meinen Wecker aus. Ich besitze einen Wecker. Ich liege in einem Bett. Mein Bett steht in meinem eigenen Zimmer und mein Zimmer befindet sich in einem Haus. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe die Möglichkeit zu duschen – warm. kalt.lauwarm. Ich habe fließend Wasser. Ich kann mich für kein Outfit entscheiden – ich habe die Möglichkeit eine Wahl zu treffen! Draußen ist es kalt. Im Haus ist es demnach warm. Ich laufe zum Bus – ja ich kann mit dem Bus zur Schule fahren! Rein theoretisch auch mit dem Auto. Oh, da fällt mir auf, ich bin auf dem Weg zur Schule. Ich habe das Recht diese zu besuchen, mich weiterzubilden. Ich komme in der Schule an und treffe meine Freunde. Ich habe Freunde! Eine Familie! Ich bin Gesund und brauche keine Angst zu haben den morgigen Tag nicht mehr zu erleben, weil ich an Hunger sterbe.

Ich könnte wohl stundenlang so weitermachen. Krass, wie viel ich besitze! Und das fast ohne Einkommen. Und nun frage ich mich: wozu brauche ich Milliarden auf meinem Konto? Um mich von der Masse abzusetzen? Um mir die teuersten Kleider zu leisten? Heißt teuer immer gleich gut und wann wird aus teuer menschenverachtend?

 

1% –  99%

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